Musikwissenschaft
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Beschreibung der filmischen Dokumentation von Fausto Molina ueber Oliver Gerlach und sein Forschungsprojekt:
Ich habe Oliver Gerlach als offenen Menschen kennengelernt, der sich unkonventionell und mutig mit den meist verschlossenen und zurueckgezogen lebenden Menschen der griechisch und albanisch staemmigen Gemeinden in Sueditalien auseinandersetzt. Dort, wo seine Kollegen als Aussenstehende betrachtet und fuer Forschungszwecke nicht mehr zugelassen werden, schafft es Herr Gerlach immer wieder, ruecksichtsvoll in die Privatsphaere der Gemeinden vorzudringen, um seine Beobachtungen und Feldaufnahmen vornehmen zu koennen.
Die Filmarbeit:
Die Filmarbeiten sollen als eine Langzeitdokumentation angelegt werden.
In einer ersten Begegnung zwischen Herrn Gerlach und seinen <Protagonisten> lernen wir die Personen und ihre Lebensumstaende kennen. Es ist der Beginn unserer Anteilnahme an dem persoenlichen Schicksal der Menschen im Rahmen ihres sozialen Umfelds und die Basis, auf der sich ein Vertrauensverhaeltnis zu den Protagonisten aufbauen soll.
Wir - das Filmteam - werden flexibel sein und unabhaengig agieren. Nach Absprache werden wir die fuer das Forschungsprojekt relevanten Personen in ihrem Alltag, Arbeitswelt und beim Zelebrieren ihrer Riten und Braeuche filmisch begleiten und beobachten. Wir werden manchmal auch dort sein, wo Herr Gerlach aus zeitlichen und inhaltlichen Gruenden nicht sein kann.
In einem Abstand von mehreren Monaten kehren wir zurueck. Anhand unserer kontinuierlichen Anteilnahme an dem Leben der Personen wird ein Vertrauensverhaeltnis aufgebaut und Entwicklungen und Veraenderungen im Alltag nachvollziehbar.
Mit dieser Form der dokumentarischen Arbeit werden laengere Zeitraeume genutzt, um verstaerkt die Prozesse wie Altern, Vermittlung von Traditionen und Braeuchen an die nachfolgenden Generation, religioese und somit musikalische Veraenderungen und weitere Entwicklungen ihres Kulturraumes zu beobachten. Die Entwicklungen, Reflexionen und Rueckschluesse von Herrn Gerlach werden ebenfalls in die filmischen Arbeit mit einfliessen.
Film als Kulturarbeit:
Unser Vorhaben versteht sich nicht als reines Filmprojekt, sondern verwendet vielmehr das Medium Film, um wissenschaftliche Kulturarbeit zu leisten. Dazu gilt es Kulturarbeit in erweiterter Form zu definieren – einerseits, als <Hochkultur>, da der Film das Medium unserer Kulturarbeit ist. Es soll nicht wie in den nationalen Fernsehanstalten ueblich, ein Dokumentationsformat bedient werden, in denen Themen nach technischen Vorgaben und inhaltlichen Formaten modelliert werden und in das jeder Kulturkreis hineingepresst wird. Es ist vielmehr ein Medium das kulturelles Erbe schafft und Selbstreflexion ermoeglicht.
Die Filmarbeit soll aber auch im Sinne von ethnologischer Arbeit verstanden werden, die mit einem erweiterten Kulturbegriff arbeitet, der soziale Herkunft, Bildung, Geschlechterverhaeltnisse, Alter, etc. mit einbezieht und diese gesellschaftlichen Dimensionen innerhalb der Forschungsarbeit von Oliver Gerlach thematisiert.
Kurze Projektbeschreibung des wissenschaftlichen Forschungsprojekts <Canti Bizantini ?> von Oliver Gerlach
Das Feld der liturgischen, paraliturgischen und volkstuemlichen Traditionen in den griechischen und albanischen Sprachinseln Apuliens und Kalabrien fuer einen Zeitraum von 5 Jahre zu dokumentieren - insbesondere, inwieweit bestehende Initiativen der jungen Generation und Zuwanderer das Feld veraendern.